Ausgangslage im Szenario
Die Familie Whitfield (fiktiv) ist in diesem Szenario eine britische Unternehmerfamilie in 4. Generation mit einem Familienvermögen in der illustrativen Grössenordnung von CHF 250–300 Mio. Der Patriarch (62) und seine Ehefrau (58) leben seit vielen Jahren in London. Die drei Kinder (28, 31, 35) sind über Grossbritannien, die USA und die EU verteilt — alle mit eigenem Berufsweg.
Auslöser der Überlegungen in diesem Szenario: die Abschaffung des britischen Non-Dom-Status kombiniert mit der in einigen Jahren anstehenden Übergabe der Family-Office-Verantwortung an die nächste Generation. Die Familie würde sich typischerweise mit folgenden Fragen beschäftigen:
- Wäre ein Wohnsitzwechsel in die Schweiz mit Besteuerung nach dem Aufwand (Berner Oberland) sinnvoll und zulässig?
- Wie findet man ein repräsentatives Familien-Chalet als generationenübergreifenden Anker?
- Welche Stiftungs- oder Trust-Struktur käme für eine geordnete Übergabe überhaupt in Frage?
- Wie lässt sich die nächste Generation strukturiert einbinden?
Typischer Ablauf in diesem Szenario (4 Phasen)
Phase 1: Vorabklärungen (Monat 1–3)
- Vorabklärung der Besteuerung nach dem Aufwand im Kanton Bern (Saanen) durch eine spezialisierte Steuerberatung
- Prüfung der steuerlichen Folgen eines Wegzugs aus Grossbritannien durch britische Fachpersonen
- Abklärung möglicher Stiftungs- oder Trust-Strukturen mit einer Anwaltskanzlei bzw. einem Treuhandbüro (z. B. in Vaduz)
- Suchprofil: Saanen, illustrative Grössenordnung CHF 20–25 Mio., traditionelles Chalet mit Bergsicht und Sanierungspotenzial
Phase 2: Objektsuche (Monat 3–5)
- Suche nach passenden Objekten, auch ausserhalb öffentlicher Inserate
- Diskrete Besichtigungen einer kleinen Auswahl mit dem Ehepaar
- Im Szenario: Favorit wäre ein älteres Chalet (z. B. Baujahr 1930er, rund 800 m² Wohnfläche, grosszügiges Grundstück)
- Verhandlung mit der Verkäuferfamilie, sofern diese einen diskreten Verkauf wünscht
- Preis: illustrative Grössenordnung CHF 20–25 Mio.; der Marktwert wäre unabhängig zu prüfen
Phase 3: Erwerb und Strukturfragen (Monat 5–7)
- Entscheid, ob eine Stiftung überhaupt sinnvoll ist und wer ihre Organe besetzen würde (Fachpersonen und Familienmitglieder)
- Erwerbsweg: Ob ein Kauf über eine ausländische Stiftung möglich wäre, wäre vorab unter der Lex Koller mit der zuständigen Behörde des Kantons Bern zu klären; bei Wohnsitznahme in der Schweiz ist oft ein Direkterwerb als Hauptwohnsitz naheliegender
- Besteuerung nach dem Aufwand: Die Bemessungsgrundlage wäre vorab mit der Steuerverwaltung zu klären (im Szenario z. B. rund CHF 700'000 pro Jahr)
- Steuerliche Folgen des Wegzugs aus Grossbritannien wären vor dem Umzug zu regeln
- Anschliessend könnte das Ehepaar seinen Wohnsitz nach Saanen verlegen
Phase 4: Einbindung der nächsten Generation und Sanierung (Monat 7–9)
- Workshops zur Einbindung der nächsten Generation (Kinder, Stiftungsorgane, Berater)
- Mögliche Teilvermögen pro Kind mit eigener Anlageverantwortung (im Szenario z. B. je CHF 5–10 Mio., illustrativ)
- Energetische Sanierung des Chalets, etwa nach Minergie-Standard (illustrative Grössenordnung CHF 3–5 Mio., Bauzeit über ein Jahr)
- Optional: Prüfung einer gemeinnützigen Familienstiftung mit lokalem Bezug
Mögliches Ergebnis im Szenario (illustrativ)
Steuerliche Grössenordnung (vereinfachte Modellrechnung)
- Annahme Grossbritannien: Einkommens- und Kapitalgewinnsteuern von mehreren Millionen CHF pro Jahr
- Annahme Schweiz (Aufwandbesteuerung): Steuer auf Basis einer Bemessungsgrundlage von z. B. rund CHF 700'000 — in der Grössenordnung von einigen hunderttausend CHF pro Jahr
- Hinweis: Vereinfachte Modellrechnung, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Die tatsächliche Belastung hängt von Kanton, Gemeinde, Vermögensstruktur und weiteren Faktoren ab und ist individuell durch Fachpersonen zu prüfen.
Generationen-Übergabe
- Eine geeignete Struktur könnte helfen, das Chalet als Familienanker zu erhalten und eine Zersplitterung im Erbfall zu vermeiden — je nach Ausgestaltung und Rechtslage
- Teilvermögen mit eigener Verantwortung könnten der nächsten Generation Gestaltungsspielraum geben
- Regelmässige Familiengespräche mit den Stiftungsorganen wären sinnvoll
Lebensqualität und Erhalt
- Das Chalet könnte zum Treffpunkt der Familie werden — etwa in den Sommerferien und über Weihnachten
- Eine sorgfältige energetische Sanierung könnte den Heizenergiebedarf deutlich senken, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren (denkmalpflegerische Vorgaben vorab klären)
- Ein gemeinnütziges Engagement in der Region wäre denkbar, ist aber kein Teil der Immobilienfrage
Was das Szenario zeigt
1. Änderungen im Herkunftsland lösen oft Standortfragen aus. Familien mit grösserem Vermögen vergleichen dann typischerweise mehrere Optionen — etwa die Schweizer Aufwandbesteuerung, andere Pauschalregime oder den Verbleib im bisherigen System. Die Wahl hängt von der individuellen Situation ab.
2. Stiftungsstrukturen sind kein Selbstläufer. Ob und wie eine Stiftung in der Schweiz anerkannt wird und welche steuerlichen Folgen sie hat, kann je nach Ausgestaltung stark variieren; eine individuelle Prüfung durch Fachpersonen ist erforderlich.
3. Diskrete Verkäufe folgen eigenen Regeln. In gefragten Lagen werden manche Objekte nicht öffentlich ausgeschrieben. Preise sollten dennoch unabhängig plausibilisiert werden.
4. Die nächste Generation früh einzubinden lohnt sich. Wer Übergaben frühzeitig bespricht, erhält eher Wissen und Zusammenhalt in der Familie.