Ausgangslage
Die fiktive Familie Hartmann-Walker ist in diesem Szenario eine deutsch-britische Familie in zweiter Generation. Der Vater (58) ist seit vielen Jahren Partner im Londoner Private-Equity-Geschäft eines internationalen Fonds; ein Teil des Vermögens besteht aus Carried-Interest-Ansprüchen, ein Teil liegt in einem kleinen Family Office (Immobilien, Aktien, Fondsbeteiligungen). Die vier erwachsenen Kinder (24–32) leben und arbeiten in London, New York und Cambridge.
Auslöser der Überlegungen sind in diesem Szenario die Abschaffung des UK-Non-Dom-Regimes und Änderungen bei der Besteuerung von Carried Interest im Vereinigten Königreich. Die Familie möchte prüfen:
- ob eine Pauschalbesteuerung im Kanton Graubünden (St. Moritz/Pontresina) für sie in Frage käme
- ein historisches Chalet im Raum St. Moritz als langfristigen Familien-Treffpunkt
- eine geeignete Vermögens- und Nachfolgestruktur (z. B. Stiftung) – mit Fachpersonen zu prüfen
- eine energetische Sanierung, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren
- wie die Familie vor Ort sozial und kulturell Fuss fassen könnte
Typischer Ablauf in diesem Szenario (4 Phasen)
Phase 1: Vorabklärungen vor dem Wegzug (Monat 1–3)
- Vorabklärung der Pauschalbesteuerung im Kanton Graubünden durch eine Steuerberatung (in diesem Szenario mit einer angenommenen Bemessungsgrundlage von CHF 850'000)
- Klärung der britischen Wegzugs- und Carried-Interest-Fragen durch eine Anwaltskanzlei in London
- Prüfung einer möglichen Stiftungs- oder Holdingstruktur mit einem Treuhandbüro – inklusive der Frage, ob und wie eine solche Struktur mit dem Immobilienerwerb vereinbar wäre
- Suchprofil: Raum St. Moritz / Champfèr / Pontresina, historisches Chalet, Bergsicht, sanierungsfähig, Preisrahmen ab ca. CHF 28 Mio. (illustrativ)
Phase 2: Objektsuche im Engadin (Monat 3–6)
- Suche nach passenden Objekten, auch ausserhalb öffentlicher Inserate, über diskrete Anfragen bei Eigentümern und lokalen Kontakten
- Besichtigungen mit dem Ehepaar, idealerweise im Winter und im Sommer
- In diesem Szenario: Favorit wäre ein Chalet aus dem frühen 20. Jahrhundert mit rund 1'000–1'200 m² Wohnfläche und grossem Umschwung (fiktives Objekt)
- Diskrete Verhandlung mit einer Verkäuferfamilie, die das Haus seit Generationen besitzt
- Kaufpreis in diesem Szenario: illustrative Grössenordnung CHF 28–35 Mio., abhängig von Zustand, Lage und Marktlage
Phase 3: Erwerb, Struktur und Umzug (Monat 6–9)
- Allfällige Stiftungs- oder Holdinglösung würde mit Fachpersonen ausgearbeitet; Ausgestaltung und steuerliche Wirkung wären individuell zu prüfen
- Lex-Koller-Fragen (Erwerber, Aufenthaltsstatus, Erwerb über eine Struktur) wären vorab mit der zuständigen Behörde zu klären – ein Erwerb über eine ausländische Stiftung ist bewilligungsrechtlich heikel
- Die Pauschalbesteuerung wäre vorab mit der kantonalen Steuerverwaltung zu klären (Vorbescheid)
- Steuerliche Behandlung von Carried Interest beim Wegzug wäre in beiden Ländern durch Fachpersonen zu beurteilen
- In diesem Szenario könnte die Familie nach Abschluss der Klärungen nach St. Moritz ziehen
Phase 4: Sanierung und Ankommen (Monat 9–12)
- Energetische Sanierung (z. B. Richtung Minergie-Standard): illustratives Budget CHF 4–6 Mio., Abstimmung mit der Denkmalpflege bzw. den kommunalen Bauvorschriften
- Mögliche Massnahmen: bessere Dämmung, Wärmerückgewinnung, Erdwärmesonde (sofern bewilligt), Restaurierung der Lärchenfassade
- Kontakte zu lokalen Vereinen, Kultur- und Sportinstitutionen im Engadin
- Regelmässiger Familienrat, um die nächste Generation früh einzubinden
Mögliches Ergebnis im Szenario (illustrativ)
Steuerliche Überlegungen (vereinfachte Modellrechnung)
- Bei einer Pauschalbesteuerung richtet sich die Steuer nach dem Lebensaufwand, nicht nach Einkommen und Vermögen; in einer vereinfachten Modellrechnung mit CHF 850'000 Bemessungsgrundlage läge die jährliche Steuer im Bereich einiger hunderttausend Franken
- Ob und in welchem Umfang dies gegenüber der Situation im Vereinigten Königreich günstiger wäre, hängt von Einkommen, Vermögen, Wegzugszeitpunkt und Abkommensfragen ab
- Die Behandlung bestehender Carried-Interest-Ansprüche beim Wegzug wäre gesondert zu prüfen
- Vereinfachte Modellrechnung, keine Steuer- oder Rechtsberatung.
Sanierung und Ortsbild
- Eine energetische Sanierung könnte den Energiebedarf deutlich senken
- Lärchenfassade, Schindeldach und historische Stuben liessen sich bei sorgfältiger Planung erhalten
- Erdwärmesonden sind bewilligungspflichtig; ihre Eignung hängt vom Standort ab
Nachfolge und Familie
- Das Chalet könnte zum gemeinsamen Treffpunkt der Familie im Sommer und Winter werden
- Engagement in lokalen Vereinen und Kulturinitiativen kann das Ankommen erleichtern
- Eine Nachfolgeplanung mit klaren Regeln für die Kinder wäre mit Fachpersonen auszuarbeiten
Was das Szenario zeigt
1. Der Zeitpunkt ist wichtig. Bei einem Wegzug aus dem Vereinigten Königreich können Gesetzesänderungen und Stichtage eine Rolle spielen. Steuerliche Fragen sollten früh und in beiden Ländern von Fachpersonen geklärt werden.
2. St. Moritz kann als Hauptwohnsitz attraktiv sein. Lebensqualität, Natur und eine Bahnverbindung nach Zürich von rund drei Stunden sprechen für den Ort; ob eine Pauschalbesteuerung möglich und sinnvoll ist, ist individuell zu prüfen.
3. Sanierung kann den Wert eines historischen Chalets erhalten. Energetische Massnahmen sollten frühzeitig mit Denkmalpflege und Gemeinde abgestimmt werden.
4. Ankommen braucht mehr als ein Haus. Kontakte zu lokalen Vereinen und Institutionen helfen, dass sich eine Familie über Generationen verbunden fühlt.